Network Marketing anfangen: was die ersten Wochen entscheidet
Wer mit Network Marketing anfangen will, bekommt eine Produktschulung und den Rat, mit allen zu reden. Was fehlt, ist die Reihenfolge.

In diesem Artikel 8 Abschnitte
Network Marketing anfangen: in welcher Reihenfolge
Kaum bist du mit der Produktschulung durch, heißt es: „Red einfach mal mit jedem, den du kennst.“ Drei Wochen später hast du mit zwanzig Leuten geredet, und fünf davon weichen dir aus.
Beim Network Marketing anfangen zählt zuerst die Reihenfolge. Die Leute in deinem Umfeld sollen wissen, womit du dich beschäftigst, bevor du ihnen etwas anbietest. Danach entstehen Gespräche, aus manchen Gesprächen Termine, aus manchen Terminen Kunden.
Partner kommen am Ende dieser Kette. Meistens sind es Kunden, die zufrieden sind und irgendwann fragen, wie das bei dir eigentlich läuft.
Viele drehen die Reihenfolge um. Sie suchen zuerst Partner, weil dort das große Bild liegt, und wundern sich, warum niemand mitmachen will. Hast du selbst noch kein Gespräch zu Ende geführt, kannst du niemandem zeigen, wie es geht.
Woran der Start scheitert
Am Anfang verbrennst du leicht dein bestes Umfeld mit den schlechtesten Gesprächen. Das läuft fast immer so ab:
- Erst wird das Produkt auswendig gelernt, dann kommt kein einziges Gespräch, weil man sich nie bereit fühlt.
- In einer Woche sind alle Bekannten durch. Beim dritten Anlauf wechseln die ersten die Straßenseite.
- Fünf Minuten Vortrag über das Geschäft, und danach sitzt ein Zuhörer da, der auf das Ende wartet.
- „Lass uns mal auf einen Kaffee gehen“, und beim Kaffee kommt das Geschäft. Wer sich hineingelockt fühlt, kommt kein zweites Mal.
- Versprochen wird, was man selbst noch nicht erlebt hat: schnelles Geld, freie Zeit, ein Team in einem Jahr.
Und nach drei Monaten wird aufgehört, genau dann, wenn die ersten Gespräche von selbst kommen würden. Ob du für diese Arbeit die Zeit und die Nerven hast, prüfst du am besten vorher: Bin ich für den Vertrieb geeignet?
Warum Bekannte ausweichen
Bekannte weichen aus, sobald sie sich als Zielgruppe fühlen. Bis gestern warst du der Nachbar oder der Kollege, heute bist du jemand, der etwas verkaufen will, und keiner hat sie gefragt, ob ihnen das recht ist.
Dich kennen sie seit Jahren. Was ihnen fehlt, ist die Vorstellung, dass du dich in deinem neuen Thema auskennst, denn in ihrem Bild von dir kommt es noch nicht vor.
Ein Satz wie „Ich bin da jetzt Experte“ ändert daran nichts, eher im Gegenteil. Das Bild ändert sich langsam, über das, was die Leute von dir mitbekommen. Willst du Bekannte ansprechen, musst du zuerst die Rolle wechseln, in der sie dich sehen, und das geht Schritt für Schritt.
Das dauert Wochen, manchmal Monate. Fang bei den Leuten an, die dich sowieso nach deiner Arbeit fragen, und lass alle anderen in Ruhe, bis sie von selbst kommen.
Bekannt sein, bevor du etwas anbietest
Am Anfang reicht es, wenn die Leute wissen, womit du dich beschäftigst. Die beste Gelegenheit dafür ist eine Frage, die dir ohnehin ständig gestellt wird: was du beruflich machst.
Viele antworten mit einer Berufsbezeichnung, unter der sich keiner etwas vorstellen kann, oder sie erklären so lange, bis der andere das Thema wechselt. Besser ist ein Satz, in dem ein Problem vorkommt, das die Leute kennen, und deine Rolle dabei. Danach ist Schluss.
Je nach Produkt sagst du zum Beispiel: „Ich helfe Leuten, bei ihren laufenden Kosten den Überblick zu behalten.“ Will er mehr wissen, fragt er nach. Fragt er nicht, hat er sich trotzdem gemerkt, womit du dich beschäftigst.
Mehr brauchst du am Anfang nicht. Die ersten Gespräche kommen dann von selbst, oft mit Leuten, die du nie angesprochen hättest.
Mit sozialen Netzwerken ist es genauso. Postest du jeden Tag über dein Produkt, wirst du dort gemieden wie auf der Straße. Schreibst du über Fragen, die dir tatsächlich gestellt wurden, und deine Antwort darauf, fragen dich die Leute von selbst. Wie du jemanden ansprichst, ohne ihn zu überrumpeln, liest du im Artikel Leute anschreiben im Network Marketing.
Was du in der ersten Woche tust
In der ersten Woche legst du die Grundlagen, bevor du irgendwem etwas anbietest. Das kostet ein paar Stunden und spart dir Monate.
- Den einen Satz auf die Frage nach deinem Beruf überlegen und ein paar Mal laut sagen, bis er nach dir klingt.
- Feste Stunden festlegen, an denen du an deinem Geschäft arbeitest, jede Woche dieselben.
- Den, der dir das Geschäft zeigt, fragen, ob du bei einem seiner Gespräche zuhören darfst.
- Ein Übungsgespräch mit jemandem führen, der dir wohlgesonnen ist und ehrlich sagt, wie es geklungen hat.
- Klären, was du einem Kunden nach dem Ja an Arbeit abnimmst und was er selbst tun muss.
Einen Kunden bringt dir das in der ersten Woche noch nicht. Es sorgt dafür, dass dein erstes echtes Gespräch vorbereitet ist und dein Umfeld dich danach noch gern sieht.
Fragen zu Gewerbe, Steuer und Sozialversicherung klärst du ebenfalls vor dem Start, verbindlich beim Gründerservice der Wirtschaftskammer.
Vom ersten Gespräch zum Termin
Aus einem Gespräch wird ein Termin, wenn der nächste Schritt feststeht, bevor ihr auseinandergeht, und wenn ein Nein leicht fällt.
Erzählt dir jemand beim Grillen, dass ihn etwas ärgert, das zu deinem Thema passt, meldest du dich am nächsten Tag. Dann ist das Gespräch noch frisch, und er weiß sofort, warum du anrufst. Nach drei Wochen weiß keiner mehr, was er beim Grillen gesagt hat.
Unter Bekannten entscheidet sich viel an dieser Stelle. Wirst du förmlich oder drängst, wird eine Absage unangenehm, und dann kommt eher gar keine Antwort als ein ehrliches Nein. Wie es weitergeht, wenn sich jemand nicht mehr meldet, steht in Kunde meldet sich nicht mehr.
Ein Termin braucht einen Zweck, den beide kennen: etwas gemeinsam anschauen, eine Frage klären, ein Angebot durchgehen. Bittest du ihn, dafür etwas bereitzulegen, etwa die letzte Rechnung, weiß er, dass ihr an seiner Sache arbeitet. Wie der Anruf dafür abläuft, liest du im Artikel Terminvereinbarung am Telefon.
Im Termin selbst redet er zuerst, über seine Lage, und du fragst nach. Fängst du mit einer Präsentation an, erfährst du nie, wonach er entscheidet. Mehr dazu in Fragetechnik im Verkauf.
Wann der erste Partner kommt
Der erste Partner kommt meistens von selbst, aus deinen Kunden oder aus Gesprächen, in denen jemand fragt, wie das bei dir läuft. In den ersten Wochen passiert das kaum.
In dieser Zeit lernst du erst das Handwerk, das du später einem Partner beibringen musst: wie ein Gespräch läuft, wie ein Termin entsteht, was du nach einem Nein machst. Gewinnst du Partner, bevor du das selbst kannst, verlierst du sie nach ein paar Wochen wieder, weil du ihnen nicht sagen kannst, was sie als Nächstes tun.
Fragt dich jemand, wie das bei dir läuft, erzählst du zuerst, was es kostet: Zeit, Absagen, Geduld und, falls es bei deinem Unternehmen eines gibt, das Geld für den Start. Stehst du selbst noch am Anfang, sagst du das auch. Wie ein ehrliches Partnergespräch aussieht, zeigt der Artikel Partner gewinnen im Network Marketing.
Was du am Anfang erwarten kannst
Am Anfang kannst du Arbeit erwarten, Absagen und ein paar gute Gespräche. Ein Einkommen kann dir niemand zusagen, auch kein Kurs und kein Unternehmen.
Viele fangen nebenberuflich an. Das geht, wenn du feste Stunden jede Woche einplanst und die ersten Monate als Lernzeit rechnest. Arbeitest du nur, wenn gerade Zeit ist, arbeitest du am Ende fast nie.
Rechne auch damit, dass nicht jeder in deinem Umfeld begeistert ist. Manche halten die Branche für unseriös, manche haben mit einem Schwager schlechte Erfahrungen gemacht. Überzeugen kannst du sie mit der Art, wie du arbeitest, und mit der Zeit. Was ein einzelnes Nein wert ist, liest du im Artikel Ablehnung im Vertrieb.
Ich sage jedem, der anfängt, am ersten Tag, dass die ersten Monate mehr kosten, als sie bringen. Bleibt er danach dabei, weiß er, worauf er sich eingelassen hat.
Die Reihenfolge vom ersten Satz über dein Geschäft bis zum eigenen Team, mit den Gesprächen, die du dafür brauchst, geht TAKEOVER Etappe für Etappe durch.
Mehr zum Thema: Network Marketing: wie es funktioniert und was es verlangt
Fragen zum Anfang im Network Marketing
Wie fange ich im Network Marketing an, ohne meine Bekannten zu nerven?
Indem du ihnen zuerst nichts anbietest. Sorg dafür, dass sie wissen, womit du dich beschäftigst, mit einem Satz auf die Frage nach deinem Beruf. Will jemand mehr wissen, fragt er nach.
Wie viel Zeit brauche ich am Anfang?
Wichtiger als die Menge ist, dass die Stunden jede Woche dieselben sind. Rechne die ersten Monate als Lernzeit.
Kann ich mit Network Marketing nebenberuflich starten?
Ja, so fangen viele an. Plan die Stunden fix ein, sonst bleibt am Ende keine übrig.
Wann sollte ich anfangen, ein Team aufzubauen?
Wenn du selbst weißt, wie ein Gespräch läuft und was du einem neuen Partner in den ersten Wochen an Aufgaben gibst. Vorher verlierst du neue Partner schnell wieder.
Was mache ich, wenn jemand Nein sagt?
Du nimmst es an, fragst höchstens einmal nach dem Grund und redest dann über etwas anderes. Beim nächsten Treffen sprichst du es nicht wieder an.
Wo kläre ich Gewerbe und Sozialversicherung?
Verbindlich beim Gründerservice der Wirtschaftskammer, bevor du startest.
TAKEOVER führt in zehn Etappen vom ersten Satz über dein Geschäft bis zum eigenen Team, mit den Gesprächen, die du auf dem Weg brauchst, ausgeschrieben und zum Üben.
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Michael Gondek
Seit 2017 im österreichischen Energievertrieb, mit über 3.000 registrierten Partnern und mehr als 100.000 Teamkundenaufträgen. Mehr über Michael



